Kein Geld für Kultur in Leonberg (?)
Montag, den 07. Februar 2011

Wie pleite ist die Stadt Leonberg? Nachdem die Stadt damit gescheitert ist, Jugendhäuser und Leobad zu schließen, ist nun die Stadthalle dran. Schon länger ist der Posten „Kultur“ ein beliebter Streichkandidat zum Aufpolieren städtischer Bilanzen; jetzt macht der Rotstift auch vor dem letzten namhaften Kulturbetrieb Leonbergs nicht mehr halt: Nach Ablauf der aktuellen Spielzeit im April wird der Veranstaltungsbetrieb der Stadthalle Leonberg eingestellt.

Und das, obwohl Leonbergs
parteiloser Oberbürgermeister Bernhard Schuler beim 25jährigen Jubiläum noch vollmundige Worte über die regionale Bedeutung der Stadthalle und ihres Kulturprogramms fand. Alles Schnee von gestern. Wer Kultur in Leonberg will, soll anscheinend den Fernseher einschalten oder gefälligst nach Stuttgart fahren.

Jetzt wird also "auf Teufel komm raus“ gespart – Kultur in Leonberg ist offensichtlich verzichtbar. Nachdem Günther Philippi, Geschäftsführer der Stadthalle Leonberg, Ende August 2011 nach 28 Jahren in den Ruhestand gehen wird, hat der Gemeinderat der Stadt ein neues Betriebskonzept für die Halle beschlossen. Dieser Beschluss trifft die Bürgerinnen und Bürger Leonbergs und des weiteren Umlands hart, denn ab Herbst 2011 wird es keine eigenen kulturellen Veranstaltungen der Stadthalle mehr geben. Die Geschäftsführerstelle wird nicht wieder besetzt; auch eine Technikerstelle wird dem Spardiktat der Gremien geopfert. Durch diese Personal-Einsparungen und die Streichung des Kulturprogramms erhofft sich die Stadt eine jährliche Einsparung in Höhe von rund 200.000 € ab 2012. Die Stadthalle soll dann nur noch vermietet werden.

Für alle nicht-motorisierten Bürgerinnen und Bürger Leonbergs bedeutet das eine drastische Verschlechterung der Lebensqualität, denn zum einen sind die Bus- und S-Bahn-Anschlüsse gerade in den Abendstunden im Raum Leonberg nicht die Besten; zum anderen scheuen sich insbesondere viele weibliche Besucher der verschiedensten Veranstaltungen, gerade in den Abend- oder Nachtstunden zu Fuß durch die Großstadt zu gehen oder in S-Bahnen unterwegs zu sein. Da klingt die Selbstdarstellung der Stadt als „Leonberg – die Wohlfühlstadt“, die „ein attraktives Zentrum zum Wohnen, Arbeiten und Einkaufen sowie für Freizeit, Bildung und Kultur“ sei, geradezu höhnisch. Die Realität sieht leider so aus: Wenn die Steuereinnahmen nicht mehr sprudeln, wird kurzerhand das attraktive, breitgefächerte kulturelle Angebot des Stadthallen-Managements mit jährlich rund 60 Veranstaltungen vom Kindertheater über Erwachsenentheater, Konzerten, Comedy- und Kabarettveranstaltungen, Dance-Shows, Circus- und Varieté-Veranstaltungen, Operetten, Musicals bis hin zur Oper zunichte gemacht.

Bärendienst für den Wirtschaftsstandort Leonberg
Im Umkehrschluss muss die Einstellung des Kulturbetriebs aber auch bedeuten, dass die Qualität des Wirtschaftsstandorts Leonberg leidet – Leonberg wird zur besseren Schlafstadt, das kulturelle Leben soll schließlich woanders stattfinden. Für Unternehmen, aber insbesondere für Mitarbeiter ein echtes Argument gegen einen Umzug nach Leonberg, schließlich bedeutet Leben mehr als nur Arbeiten, Einkaufen und Wohnen – seit langem ist bekannt, dass der Freizeitwert eines Standorts für die Zuzugsbereitschaft qualifizierter Mitarbeiter eine große Rolle spielt. Also: Leben und Arbeiten in Leonberg? Vielleicht doch lieber nicht.

Die nächsten Wahlen kommen bestimmt
Lassen sich das die Bürgerinnen und Bürger von Ihren Volksvertretern gefallen? Eine Unterschriftenaktion läuft bereits; wer will, kann sich in der Stadthalle Leonberg eintragen. Wer den Weg scheut, kann auch per Email Stellung beziehen: wir haben die Email-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. eingerichtet, unter der Sie bequem mit Name und Anschrift (bitte vollständig) gegen den kulturellen Kahlschlag in Leonberg protestieren können; wir leiten die Zuschriften dann gesammelt weiter.

Die nächsten Wahlen kommen bestimmt – vielleicht ist Ihre Stimme für Leonbergs OB Schuler und dem Gemeinderat ja doch nicht völlig bedeutungslos. Auch Sie haben die Möglichkeit, gegen den kulturellen Kahlschlag aktiv zu werden! Egal, ob Sie sich vor Ort in der Stadthalle Leonberg in die Unterschriftenliste eintragen, oder ob Sie per Email an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. protestieren - jede Stimme zählt - werden Sie aktiv und nutzen Sie Ihre Stimme als Bürger und Wähler!

swb

 

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