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Der amerikanische Italiener
Montag, den 26. September 2011

Preisfrage: Für wen ist ein Auto gedacht, das wahlweise sieben Personen oder jede Menge Ladung transportieren kann, im Design aber weder ein SUV, noch Van oder MPV ist? Genau: Vor allem für Familien mit Kindern. Denn hier gilt die Devise „je mehr Platz, desto besser“. Für diese Zielgruppe hat Fiat ein neues Pferd im Stall: Den Freemont, den wir in der Version Urban 2.0 16V Multijet testeten.

Wer Kids hat, weiß bei einem Auto großzügig dimensionierte Ladevolumina sehr zu schätzen. Nicht nur, um die Kinder zur Schule oder zum Kindergeburtstag zu bringen, sondern auch für Urlaubsfahrten, denn Teddies, Windeln und das ganze andere Geraffel der liebe Kleinen muß natürlich mit. In dieses Segment stößt Fiat mit dem Freemont, Konzept: Viel Auto zu einem fairen Preis. Seit der Einstellung von Ulysse, Multipla und Croma hatten die Italiener kein großes Modell mehr im Angebot; nun profitiert Fiat von der Chrysler-Übernahme, bekommt man doch Zugriff auf ein fertiges Modell (den Dodge Journey), das Fiat mit eigenen Motoren, überarbeitetem Fahrwerk, modifiziertem Äußeren und neuem Innenraum-Design an den europäischen Geschmack angepasst hat.

Erster Eindruck
Der Freemont kann seine amerikanischen Wurzeln nicht verleugnen; wer den Dodge Journey kennt, dem ist das Design des neuen „Italieners“ recht vertraut. Wobei sich Fiat erfolgreich bemüht hat, dem etwas kantig gezeichneten Amerikaner einen europäischen Stempel aufzudrücken. So verfügt der Freemont vorn über einen neuen Grill, hinten über neue LED-Rückleuchten und neue Stoßfänger vorn und hinten.

Bei der Annäherung an das Fahrzeug erfolgt das erste Aha-Erlebnis: Dank schlüssellosem Zugangssystem öffnet der Fahrer das verschlossene Fahrzeug einfach durch Betätigung des Türgriffs – der Schlüssel bleibt einfach in der Tasche. Natürlich verfügt der Freemont serienmäßig auch über eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, aber das „berührungslose Aufschließen“ ist ein nettes Gadget, das man schnell zu schätzen lernt. Ebenso schlüssel- und berührungslos wird übrigens auch der Motor gestartet: Kupplung treten, Startknopf drücken – los geht´s.

Großzügige Ausstattung, Platz satt
Die Platzverhältnisse im Innenraum sind großzügig; nur in der dritten Sitzreihe sollten aufgrund eingeschränkter Beinfreiheit eher Kinder bis 10 Jahre Platz nehmen. Auf allen anderen Plätzen genießt man viel Raum und Kopffreiheit; die Sitze sind gut konturiert und angenehm straff gepolstert, so dass auch lange Fahrten ihre Schrecken verlieren. Dies erst recht für den Fahrer, denn sein Sitz ist sechsfach elektrisch verstellbar und besitzt eine elektrisch verstellbare Lordosenstütze. Praktisch: Zwei integrierte Kindersitzpolster sind ebenfalls an Bord. Alle Plätze verfügen über eigene Cupholder; für allerlei Kleinkram befinden sich in den Türen, im Boden oder unter dem Beifahrersitz eine Vielzahl Staufächer.

Das neu designte, sehr aufgeräumte Cockpit gefällt uns gut; alle Bedienelemente sind in Griffweite angeordnet und die zentrale Einheit aus Bordcomputer, Navigationssystem, Soundanlage und Bluetooth-Freisprecheinrichtung ist auch für Technikmuffel leicht zu bedienen. Die Materialien sind hochwertig und gut verarbeitet, so dass man sich im Freemont schnell wohl fühlt.

So fährt er sich
In der von uns getesteten Version arbeitet mit einer Leistung von 125 kW/170 PS das stärkere der beiden Dieselaggregate, mit denen der Freemont derzeit zu haben ist; als Benziner gibt es den Freemont bislang nicht. Angesichts eines Leergewichts von rund 1,9 Tonnen waren wir gespannt, ob die Maschine Mühe haben würde, den Freemont angemessen zügig zu bewegen. Aber siehe da, der Freemont erwies sich als ausgesprochen leichtfüßiger Geselle und zog derartig gut an, dass wir uns fragten, ob die Basismotorisierung mit 140 PS nicht bereits völlig ausreichend wäre. Beide angebotenen Triebwerke verfügen nämlich über den gleichen Hubraum von 1.956 ccm und liefern ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmetern - der stärkere Diesel allerdings über einen weiteren Drehzahlbereich. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Sechsgang-Schaltgetriebe auf die Vorderräder; Ende 2011 soll eine Version mit Allrad und Sechsgang-Automatik das Programm ergänzen.

Hat man sich erst an die Dimensionen des Freemont gewöhnt, dann fährt er sich in Verbindung mit der gut abgestimmten 6 Gang-Schaltung fast wie ein Pkw. Das liegt auch am neu abgestimmten Fahrwerk, das den Wagen auch bei flottem Tempo gut beherrschbar hält. Ihren Tribut fordern Länge, Breite und Höhe beim Einparken; hier lernt man die serienmäßigen hinteren Parksensoren schnell zu schätzen. Klanglich kann der Diesel in kaltem Zustand seine Natur nicht verleugnen; in Fahrt weicht der Klang einem dezenten Hintergrundbrummen.

Der Verbrauch des Freemont ist trotz seines Gewichts bescheiden: Das Triebwerk begnügt sich kombiniert mit 6,4 Liter auf 100 Kilometer – im Test verbrauchte der Freemont mit 7,1 Litern nur unwesentlich mehr.

Was er kostet
Der Preis ist heiß: Der von uns getestete Freemont kostet 28.790.- €; die Basisversion mit 140 PS liefert Fiat ab 25.990 €. Dafür erhält der Käufer ein fast vollausgestattetes Fahrzeug für bis zu 7 Personen, das kaum Wünsche offen lässt. 6 Airbags, 17 Zoll Leichtmetall-Räder, 3-Zonen Klimaautomatik, Touchscreen-Bordcomputer mit Navigationssystem, Bluetooth-Freisprechanlage, Radio-/CD-/MP3-Soundsystem mit 6 Lautsprechern, Alarmanlage, Tempomat, ESP (um nur einige zu nennen) in Kombination mit einem modernen und spritzigen 170 PS-Diesel sind eine echte Ansage. Entsprechend kurz fällt die Liste der Sonderaustattungen aus. Tipp: Wer plant, mit Kind und Kegel im Freemont in den Urlaub zu fahren, sollte unbedingt das DVD-Video-Paket mit 9 Zoll-Bildschirm für die Rücksitze, 2 drahtlosen Kopfhörern und Fernbedienung (890,- €) ordern – das erspart den Eltern viel Gequengel.

Ziel erreicht?
Unser Urteil fällt einstimmtig aus: Das Ziel, ein sicheres, gut motorisiertes, hochvariables und vielseitiges Familienauto auf die Räder zu stellen, hat Fiat voll erreicht. Und das zu einem so günstigen Preis, dass die Konkurrenz im Vergleich ziemlich alt aussieht.



Fiat Freemont Urban 2.0 16V Multijet SUV
Baujahr: 2011
Listenpreis: 28.790.- €
L / B / H: 4,89 m / 1,88 m / 1,69 m
Leergewicht: 1.949 kg
Zuladung: 531 kg
Gepäckraum: 136 – 791 Liter  
Sitzplätze: sieben
Hubraum: 1.956 ccm
Leistung: 125 kW / 170 PS
Drehmoment: 350 Nm  
Getriebe: 6-Gangschaltgetriebe
Spitze: 197 km/h
0 auf 100 km/h: 11,0 Sekunden
Normverbrauch: 6,4 Liter Diesel
CO2-Ausstoß: 169 g/km

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