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„Gar nicht brav, der Kleine“ schreibt Nissan selbst über den neuen Juke. Und hat den eigenwilligen Charakter des kleinen Qashqai-Bruders damit ganz gut getroffen. Irgendwo zwischen kleinem SUV und geländegängigem Sportcoupé angesiedelt, gehört der traditionelle Golf-Käufer eher nicht zur Zielgruppe.
Ein echter Hingucker: Wer den Juke irgendwo abstellt, ist sofort von einer Traube von Menschen umringt – die Urteile fallen kontrovers aus. Kein Wunder – das Design verbindet Allradoptik wie Unterfahrschutz und extrem betonte Radhäuser bis zur Gürtellinie mit einem Coupéoberbau mit kleinen Fenstern und abfallender Linie oberhalb der Türgriffe. Von vorn sieht der Juke mit dem gewaltigen Kühleinlass und den riesigen Hauptscheinwerfern besonders imposant aus, ohne dabei übertrieben aggressiv zu wirken. Das sieht insgesamt frech und ungewöhnlich aus – uns gefällt es.
Im Innenraum geht es genauso flott weiter: Zuerst fällt der lackierte Mitteltunnel ins Auge, der einen ungewöhnlichen Akzent setzt. Aber auch beim Armaturenbrett, den Instrumenten und den Türverkleidungen hatten die Designer offenbar ziemlich freie Hand – alles wirkt frisch und ungewöhnlich. Zum Glück hat die Funktionalität nicht darunter gelitten: Bis auf ein paar unkonventionell platzierte Schalter und das tief liegende und nur mäßig ablesbare Display für Klimaanlage und Fahrmodus findet man sich im Juke auf Anhieb zurecht. Die Verarbeitung ist einwandfrei, auch die Kunststoffe fassen sich angenehm an. Nichts klappert oder vibriert, die Fugen sind gleichmäßig – nichts zu meckern in Sachen Qualitätseindruck also.
In der Praxis hinterlässt der kleine Crossover einen gespaltenen Eindruck: Platzangebot, Bedienung, Fahrwerk und Lenkung überzeugen vollauf – genug Fahrspaß wird also eigentlich geboten. Aber der im Testwagen verbaute Einstiegsbenziner mit
84 kW / 117 PS könnte durchaus mehr Agilität vertragen: Zum einen fehlt es ihm mit 158 Nm an Drehmoment, um die Fähigkeiten des Juke auszureizen, zum anderen muss er gedreht werden, um Temperament zu entwickeln – was sich im Geräuschpegel niederschlägt und den Verbrauch erhöht. Da hilft auch das gut abgestimmte, aber knochentrocken zu schaltende 5-Ganggetriebe nicht weiter. Alternativ hat Nissan einen turbogeladenen Benziner mit 140 kW/190 PS im Angebot – fahrdynamisch attraktiv, für die angepeilte junge Zielgruppe bei der Versicherungseinstufung aber vermutlich zu teuer. Zum Glück steht auch noch ein Diesel im Regal: Der 1,5 Liter CDi hat zwar auch „nur“ 81 kW / 110 PS, dafür aber 240 Nm Drehmoment – und dürfte dem 1,2-Tonner damit gehörig Beine machen. Der Preisaufschlag von 1.900,- € in der Basisausstattung Visia ist gut angelegtes Geld, zumal der Selbstzünder gerade einmal 5,1 Liter verbraucht.
Stichwort Ausstattung: Nissan schickt den Juke serienmäßig u.a. mit Bordcomputer, ESP, Klimaanlage, Zentralverriegelung, elektrischen Fensterhebern und MP3-Audioanlage an den Start – ab 16.990,- € sind ein sehr faires Angebot. Die Topversion Tekna (ab 19.890,- €) bringt außerdem ein Sportpaket, 17-Zöller, Speed Limiter, eine Klimaautomatik mit Pollenfilter sowie eine Navigations- und Multimediaeinheit mit integrierter Rückfahrkamera (!) mit. Weitere Goodies wie eine Lederausstattung mit Sitzheizung (1.200,- €) sowie allerlei Schutz- und Optikextras sind ebenfalls angemessen im Preis. Wer die knackige Schaltung nicht mag, bekommt ab der Version Acenta für den schwächeren Ottomotor eine Automatik (€ 1.400,-); den starken Turbo gibt es außerdem als 4x4 mit Allradantrieb (2.900,- € Aufpreis).
Designer und Techniker haben mit dem Juke eine attraktive Alternative zum Schrägheckallerlei in der Kompaktklasse geschaffen. Optisch eine Klasse für sich, geriet die Praxistauglichkeit nicht in den Hintergrund oder wurde, wie die schlechte Übersicht nach hinten, mit einer in diesem Segment einmaligen Rückfahrkamera ausgeglichen. Die Preise sind angemessen, die Austattung ist gut, an der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen – Glückwunsch! Echte Alternativen sind dünn gesät: Mit einem Nissan Cube oder Daihatsu Materia fällt man zwar ebenso auf – eigentlich haben diese Autos aber nichts mit dem Juke gemeinsam. Und der Mini spielt nicht nur preislich in einem anderen Segment.
Nissan Juke 1.6 4x2 Tekna
Listenpreis 19.890,- €
L / B / H 4,14 / 1,77 / 1,57 m
Leergewicht: 1.215 kg
Zuladung: 430 kg
Gepäckraum: 251 bis 830 Liter
Sitzplätze: fünf
Hubraum: 1.598 cm3
Leistung: 86 kW /117 PS
Drehmoment: 158 Nm
Getriebe: 5-Ganggetriebe
Spitze: 178 km/h
0 auf 100 km/h: 11,0 Sekunden
Normverbrauch: 6,3 Liter Super
CO2-Austoß: 147 g/km
Bildquelle: mgs Verlag
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