Audi A1 1.6 TDI
Freitag, den 27. August 2010

Ingolstadt macht Ernst und erweitert seine Modellpalette mit dem A1 in das 4-Metersegment – Premium-Attacke auf Mini & Co. Gelingt das besser als mit dem Audi 50 Mitte der 70er?

Der typische Schwung in den LED-Leuchten der breiten Frontscheinwerfer, der dominante Single-Frame – klare Sache: Was uns etwas grimmig anblickt, ist zweifelsfrei ein Audi. Wenn auch ein kleiner: Mit dem brandneuen A1, technisch verwandt mit dem VW Polo, will Audi den Premiumcharakter der Marke in das Kleinwagensegment transportieren. Ein echter Hingucker sind die Dachbögen, die gegen 350,- € Aufpreis in Kontrastfarben lackiert werden können. Das Heck ist schnörkellos, fast clean geraten – aber die Heckleuchten verraten die Marke auf den ersten Blick.

Was die Bayern unter Premium verstehen, offenbart ein Blick in den Innenraum: Obwohl unser Testwagen auf (natürlich in breiter Auswahl erhältliche) Ausstattungsoptionen wie Leder der quattro GmbH oder Interieur-Pakete in Aluminium- oder Lackoptik verzichtet, macht der kleine A1 innen großen Eindruck. Die Kunststoffe sind hochwertig und fühlen sich toll an, die Verarbeitungsqualität ist von allererster Güte – hier zeigt sich, warum Audi Benchmark für die Konkurrenz ist. Kleinigkeiten wie die sanft rastenden Drehregler der Klimaanlage schmeicheln dem Fahrer und verleiten zu häufiger Bedienung. Dass Audi seine Hausaufgaben in Sachen Ergonomie und Praxistauglichkeit beherrscht, steht sowieso außer Frage: Alle Schalter und Knöpfe liegen genau da, wo sie hingehören, die Bedienung wirft keine Fragen auf. Das Cockpit ist einwandfrei ablesbar und das versenkbare große Display für die Multimediaanlage, Bordcomputer und (wahlweise) Navigationssystem ein echter Gewinn. Die Sitze sind angenehm straff und bieten im Rückenbereich guten Seitenhalt – und sehen auch ohne Lederbezug einfach toll aus. Kein Wunder, zur Wahl stehen die Stoffbezüge „Zeitgeist“ oder „Herzklopfen“… Davon abgesehen, verkneifen sich die Audi-Designer jede Spielerei – statt Gimmicks überzeugt der A1 mit kühler Sachlichkeit. Bauhaus statt Barock also.

Auf den vorderen Plätzen ist das Raumgefühl sehr gut, Fahrer und Beifahrer kommen sich nicht ins Gehege und auch die Kopffreiheit passt. Hinten sitzen 2 Personen (der A1 ist ein Viersitzer) ähnlich bequem auf der konturierten Rückbank wie Fahrer und Beifahrer vorn, ab 180 cm Körpergröße wird es mit der Kopffreiheit allerdings etwas eng. Vorn gibt es ausreichend Ablagen für Kleinkram, hinten würde man sich etwas mehr Möglichkeiten wünschen. In den Kofferraum passen 270 bis 920 Liter – für den Urlaub zu zweit reicht das allemal. Durch die weit öffnende Heckklappe und den ebenen Boden lässt er sich sehr gut nutzen.

Unter der Haube unseres Testwagens steckt der 1,6 Liter Turbodiesel mit 77 kW / 105 PS. Dieseluntypisch steht der Dampf erst ab ca. 2.500 Touren zur Verfügung – bei dieser Drehzahl verlangt manch anderer Selbstzünder subjektiv bereits nach dem nächsten Gang. Dafür dreht das Triebwerk dann willig hoch und entfaltet seine Leistung schön gleichmäßig bis über 4.500 Umdrehungen. Schaltfaul fahren lässt er sich eher nicht – aber die Bedienung der präzisen und leichtgängigen 5-Gangschaltung macht Spaß und die Anschlüsse von Gang zu Gang passen perfekt. Im kalten Zustand nagelt der Motor ein paar Minuten, danach wird er aber angenehm leise und trägt so zum guten Langstreckenkomfort des A1 bei. Und an der Tankstelle werden die relativ hohen Drehzahlen auch nicht bestraft: dank tadellos funktionierender Start-Stop-Automatik glänzt der Ingolstädter mit einem Normverbrauch von 3,9 Litern. Man ist nicht gerade im Übermaß motorisiert, insgesamt aber in jeder Situation flott unterwegs – 190 km/h Spitze und 10,5 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h lauten die Messwerte. Alternativ stehen zwei TSFI-Benziner mit 63 kW / 86 PS sowie 90 kW / 122 PS zur Wahl. Eine deutlich stärker motorisierte S-Version soll später folgen – BMW 135i und Mini Cooper John Works geben die Richtung vor.

Zum flotten Vorankommen tragen auch die direkte und feinfühlige Lenkung sowie das Fahrwerk ihren Teil bei: Subjektiv wieselt der A1 zwar nicht ganz so zackig um die Ecken wie der Mini, für sich betrachtet ist er aber sehr wendig, dabei spurstabil und gut beherrschbar. Obwohl im Testwagen das in der Ausstattung Ambiente obligatorische Sportfahrwerk verbaut ist, verschreckt der kompakte Audi nicht mit der kompromisslosen Härte vergangener Ingolstädter Modelle. Stattdessen ist das Fahrwerk eher komfortabel ausgelegt und federt geschmeidig so ziemlich alles weg, was die Insassen irritieren könnte. Einzig harte Querfugen schlagen etwas kräftiger durch – ansonsten gibt es keinen Grund zur Klage. Zumal die Agilität nicht auf der Strecke geblieben ist: Neben der Wendigkeit in engen Passagen lassen sich auch bei Höchstgeschwindigkeit Kurven sehr dynamisch durcheilen, ohne dass etwas ins Schlingern gerät oder sich unangenehme Seitenneigungen der Karosserie aufbauen. Der Audi A1 gibt als im Alltag keine Rätsel auf – dass er auch (nach heutigen Maßstäben) noch recht übersichtlich ist, passt da ins Bild.

Der Einstieg in die qualitative Oberklasse kostet 15.800 € für den 1.2 TSFI Attraction. Wobei die einfachere Ausstattung nicht so attraktiv ist, wie ihr Name verspricht. Die deutlich umfangreicher ausgestatteten Ambition-Modelle starten bei 17.200 € und sind die bessere Wahl – zumal etliche der vielen Pakete und Zusatzausstattungen nur für diese Versionen erhältlich sind. Audi setzt den Premiumanspruch auch hier konsequent fort: Fast alles, auch im Kleinwagensegment bisher Unübliches, ist lieferbar – gegen Aufpreis. Dafür bekommt der Kunde aber auch Premiumqualität – bis ins letzte Detail. Unser Testwagenpreis beläuft sich auf knapp über 26.000 € - mit ein paar selbstverständlichen (Klimaautomatik) oder empfehlenswerten (Sportlederlenkrad, Xenon Plus Licht, Radioanlage mit Audi Sound System) Extras. Wer die Individualisierungsoptionen ausnutzt, kann natürlich noch deutlich mehr ausgeben. Was die Mehrzahl der Kunden erwartungsgemäß auch tun wird – schließlich verlässt ein Mini die Werkshallen auch so gut wie nie in der Basiskonfiguration.

„Junge, urbane und lifestyle-orientierte Zielgruppen“ soll der neue Audi ansprechen – Neukunden unter 30 und bis zu 50% Frauen. Das Zeug dazu hat er – denn anders als der Audi 50 von 1974, der ein umgelabelter VW Polo ohne jede technische Veränderung war, ist der A1 ein vollwertiges Mitglied der Audi-Familie. Nur etwas kleiner eben.



Audi A1 1.6 TDI
Baujahr: 2010
Listenpreis 20.200- €
L / B / H: 3,95 / 1,74 / 1,42 m
Leergewicht: 1.140 kg
Zuladung: 450 kg
Gepäckraum: 270 bis 920 Liter
Sitzplätze: vier
Hubraum: 1.598 cm3
Leistung: 77 kW / 105 PS
Drehmoment: 250 Nm
Getriebe: 5-Gang Handschaltung
Spitze: 190 km/h
0 auf 100 km/h: 10,5 Sekunden
Normverbrauch: 3,9 Liter Diesel
CO2-Austoß: 103 g/km


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