Wer das „normale“ Fiat 500 Cabrio das erste Mal sieht, der mag es für ein hübsches Frauenauto halten: knuffig, rundlich und nicht zu groß bietet er alles, was Frau in der Stadt braucht. Wer jedoch die Abarth-Version zu Gesicht bekommt, erkennt sofort, dass er es hier mit einem anderen Kaliber zu tun hat: Breite Front- und Heckschürzen, doppelflutiger Auspuff mit verchromten Endrohren, Tieferlegung, Fünfspeichenfelgen mit dem Skorpionlogo und rot lackierte Bremssättel signalisieren ungestümen Vorwärtsdrang.
Unserem Testwagen entlockt die Drehung des Zündschlüssels ein dezent-sonores Grollen, das noch wenig über die Qualitäten des kleinen Kraftmeiers verrät. Hoppla – wo steckt denn die Schaltung? Unser Testwagen verfügt über das halbautomatische 5-Gang Getriebe „Abarth Competizione“ mit Schaltwippen am Lenkrad – das ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Zur Verfügung stehen drei Schaltmodi: „Auto“, „Normal“ und „Sport“; natürlich starten wir im Sportmodus. Ein beherzter Druck auf´s Gaspedal und zack! Der kleine Abarth zeigt ungeahnte Ampelstarter-Qualitäten und zischt wieselflink ab. Wow, das macht Laune! Dabei lenkt er sich (servo-unterstützt) knackig direkt in bester Go Cart-Manier, so dass er zackig wie ein Kugelblitz um jede Kurve flitzt.
Durchdachtes Cockpit, hochwertiges Interieur
Aber der Reihe nach. Das schwarz-silberne Cockpit präsentiert sich übersichtlich und durchdacht. Links neben dem Lenkrad befindet sich die Ladedruckanzeige, daneben die kreisrunde Einheit aus Tacho und Drehzahlmesser. Die Tachonadel läuft außen herum, der Drehzahlmesser innen; das Lenkrad ist griffig, unten abgeflacht und beherbergt neben Lautstärkeregelung und Sendereinstellung für Radio und Soundanlage auch die Steuerung der „Blue&Me“- (Bluetooth-) Freisprechanlage sowie die Schaltpaddel zum Rauf- und Runterschalten. Wo man den Schaltknüppel vermutet, befinden sich vier schlichte Knöpfe zum Einstellen des Automatikmodus sowie für Leerlauf und Rückwärtsgang.
Die bequemen Sitze sind straff gepolstert und bieten guten Seitenhalt, lassen sich aber nicht in der Höhe verstellen, so dass man ein wenig herumprobieren muss, bis man seine optimale Sitzposition gefunden hat. Wer das bereit serienmäßig hochwertig wirkende Interieur veredeln möchte, dem bieten sich als Alternative zu den serienmäßigen schwarzen Stoffbezügen drei unterschiedliche Ledervarianten. Der Aufpreis ist moderat: In allen Farbvarianten kostet der zusätzliche Leder-Luxus 1.200 €.
Die Übersicht nach hinten ist bescheiden; allenfalls erahnen lässt sich, wo das Heck endet – nach der ersten Parklücke weiß man die (zum Glück serienmäßigen) Parksensoren sehr zu schätzen. Der Kofferrauch ist auch kein Wunder an Transportvolumen, sondern schluckt gerade mal einen Wochenendeinkauf. Aber hey: Wer einen Transporter braucht, ist mit einem Cabrio dieser Größe sowieso falsch bedient.
Per Fernbedienung oder von innen auf Knopfdruck öffnet sich das Dach des Abarth in zwei Stufen – das dauert insgesamt nur 16 Sekunden. Ein Voll-Cabrio ist der 500 C nicht, denn hier bewegt sich ein Faltdach über die gesamte Länge des Innenraumes – aber mehr Cabrio-Feeling braucht kein Mensch. Sehr gut: Das solide gefütterte Faltdach erweist sich als bemerkenswert gut geräuschgedämmt; in geschlossenem Zustand bleiben Verkehrsgeräusche angenehm außen vor. Bei offenem Dach hingegen kann der kleine Abarth seine eigenen Soundqualitäten ausspielen – hier zeigt der Skorpion auch akustisch sein Temperament. Die Geräuschkulisse des drehfreudigen Vierzylinders reicht vom kräftigen Brabbeln bei niedrigen Drehzahlen bis zu einem sonoren Aufbrüllen unter Last; ein Genuss ist auch das Motor-Bollern bei abruptem Gaswegnehmen. Der aufgeladene Vierzylinder verfügt über einen Hubraum von 1.368 Kubikzentimetern, leistet 140 PS (103 kW) bei 5.500 Touren und entwickelt ein maximales Drehmoment von 206 Newtonmetern ab 2000 Umdrehungen. Dabei wird beim Druck auf die Sport-Taste durch höheren Turbo-Ladedruck das maximale Drehmoment von 180 auf 206 Newtonmeter angehoben, die Kennlinie der Lenkung wird geschärft und der Gangwechsel beschleunigt. Erst bei Tempo 205 ist Schluss mit dem Vortrieb – dafür genehmigt sich der kleine Abarth im Idealfall 6,5 Liter Super (kombiniert); bei uns lag der Verbrauch testbedingt allerdings um einen knappen Liter höher.
Während wir den „Automatik“-Modus der Halbautomatik im Stadtverkehr als am alltagstauglichsten empfanden, zeigt der Sportmodus auf kurvigen Landstraßen seine Qualitäten. Flotte, gut abgestimmte Schaltvorgänge zaubern dem Fahrer schnell ein Grinsen ins Gesicht. Noch besser gefiel uns allerdings der manuelle Modus – wie schnell der Automat die Schaltbefehle der Lenkradwippen umsetzt, ist ein Gedicht. Wer es komplett manuell will, muss jedoch noch warten: Ein manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe wird es dem Vernehmen nach erst 2011 geben.
Beeindruckend gutmütiges Kurvenverhalten
Obwohl der Abarth 500 C in gefühlten 5 Sekunden auf Tempo 100 sprintet, dauert es real doch 8,1 Sekunden, bis 100 km/h erreicht werden. Dieser (kaum merkliche) Tribut an Komfort, Sicherheit und Gewicht geht einher mit einer tollen Straßenlage und unglaublich gutmütigem Kurvenverhalten – kaum dass eine Kurve auftaucht, ist man schon rasant hindurch geflitzt, ohne dass je Unsicherheitsgefühle aufkommen.
Dabei helfen auch eine sportlich abgestimmte Federung, kräftig zupackende Bremsen sowie das serienmäßige elektronische Sperrdifferenzial TTC (Torque Transfer Control), das das durch Bremseingriff ein Durchdrehen der Räder (z. B. beim starken Beschleunigen in Kurven) verhindert und das Drehmoment variabel an die beiden Antriebsräder verteilt.
Faire Preise, gute Ausstattung
Mit einem Grundpreis von 21.000 € ist der Abarth 500 C kein Billigheimer – aber er bietet neben jeder Menge Fahrspaß auch serienmäßig eine gute Ausstattung. So gehören zur Serienausstattung unter anderem Bi-Xenon-Scheinwerfer, Klimaanlage, ESP, ABS, ASR, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, CD-Radio, Parksensoren hinten, sieben Airbags sowie eine teilbare Rückbank. Damit ist der Abarth eine Klasse für sich: So viel offenen Fahrspaß gepaart mit so viel Ausstattung gibt es für den Preis nirgends. Unser Fazit: Dieser Skorpion sticht.
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