Don´t worry, be happy

Smart steht seit Gründung der Marke neben einem besonderen Mobilitätsverständnis auch für Spaß. Macht das Cabrio noch mehr Spaß als der geschlossene Stadtflitzer?
„Wieso Cabrio?“ fragen Puristen jetzt. „Der smart hat doch nur ein größeres elektrisches Schiebedach.“ Und haben damit nicht völlig unrecht: obwohl sich das Dach inklusive der Heckscheibe elektrisch in zwei Schritten komplett nach hinten aufrollt, bleiben die Dachholme fest am Fahrzeug. Sie lassen sich zwar demontieren, das geht aber nicht während der Fahrt und außerdem blockieren sie dann den ohnehin knappen Kofferraum. Der smart hat also etwas von einem klassischen Targa – trotzdem ist er offen genug. Denn Cabriofahren bedeutet ja nicht (mehr), dass einem nach der Ausfahrt die Fliegen zwischen den Zähnen kleben. Und für echte Puristen zählen ja sowieso nur Roadster mit Steckscheiben und einem ungefütterten Segeltuchverdeck, das nur von Fachleuten bedient werden kann und trotzdem niemals richtig dicht ist…

Also Schlüssel in der Mittelkonsole gedreht und los geht’s (natürlich offen). Erster Eindruck: Man sitzt zwar an der frischen Luft, ist aber, vor allem bei hochgefahrenen Seitenfenstern, gut vor allzu stürmischem Durchzug geschützt. Die kompakten Abmessungen des smart ergeben eine sehr gute Luftzirkulation im Innenraum – andere Modelle benötigen Windschotts, Nackenföhn und weitere zumindest diskussionswürdige Kniffe. Natürlich kann man das Open Air-Feeling im smart auch regulieren: wer es nicht ganz so offen mag, belässt es beim Öffnen des Dachs und lässt die Heckscheibe, wo sie ist. Nach etwas Hin- und Herprobieren (was praktischerweise auch während der Fahrt funktioniert), haben wir die Hüllen ganz fallen gelassen. Das funktioniert auch bei Außentemperaturen um 5° - die Frühlingssonne wärmt das Herz, die (aufpreispflichtige) Sitzheizung den Allerwertesten. Eine zusätzliche Demontage der Dachholm steigert das Fahrerlebnis übrigens kaum noch – das kann man sich getrost sparen.

Im Testwagen steckt der stärkere (abgesehen von der BRABUS-Version) der beiden Benziner mit 62 kW/84 PS. Das reicht aus, um den leer gerade 800 kg wiegenden Cityfloh ganz flott zu bewegen. Ab der Ausstattung pulse gibt’s Schaltwippen am Lenkrad – was in den meisten Supersportwagen Spielerei ist, mach im smart richtig Sinn. Wer sich an die Bedienung gewöhnt hat, kann nämlich der konventionell ausgelegten Automatik mit den Paddeln gehörig auf die Sprünge helfen. Das macht ordentlich Spaß – ist aber Gift für den günstigen Normverbrauch von knapp 5 Litern. Andererseits ist Rasen im Cabrio nicht angesagt, da macht auch der smart keine Ausnahme. Gleiten, Cruisen, Straße und Landschaft genießen – das funktioniert auch im smart. Das Fahrwerk bietet eine alltagstaugliche Mischung aus Komfort und Präzision, einzig die vielen harten Frostaufbrüche des letzten Winters steckt der Kleine nicht ganz klaglos weg – da fordern der kurze Radstand und die relativ kleinen Reifen ihren Tribut. Ansonsten ist natürlich auch das Cabrio extrem praktisch – vor allem in der Stadt. Querparken ist mit den aktuell 2 Metern 70 Fahrzeuglänge auch bei toleranten Politessen nicht mehr geduldet, trotzdem findet man im smart Lücken, wo andere Autofahrer nicht einmal suchen würden.

Wer den aktuellen Prospekt studiert, stellt fest, dass die Mercedes-Tochter seit dem Facelift im letzten Oktober vor allem in Sachen Individualisierung ordentlich nachgelegt hat. Das beginnt mit neuen Lackierungen wie Sicherheitszelle und Bodypanels in Wagenfarbe (was unserem Testwagen außerordentlich gut steht), beinhaltet inzwischen nahezu alle BRABUS-Ausstattungselemente, die unter Verzicht auf die getunte Motorisierung auch einzeln bestellt werden können und endet bei einer ganzen Palette moderner Kommunikations- und Unterhaltungssysteme. Obwohl: Zum perfekten Carbriofeeling fehlen der gut ausgestatteten Version pulse eigentlich nur Ledersitze (€ 475,-) mit einer Sitzheizung (€ 260,-) sowie für empfindliche Gemüter, ein Windschott (€ 75,-). Und dann steht kurzen offenen Spritztouren in die Gartenwirtschaft und einer ausgedehnten Rundreise z.B. um den Bodensee eigentlich nichts mehr im Wege. Die gute Laune kommt nach wenigen Metern von allein – und im Radio läuft natürlich Bobby McFerrin…



 

Baustellen in Stuttgart

Werbung